Die Allee der Gerechten in Linz

GERDA LEDERER


 
 

GERDA LEDERER

(früher Heim)
geb. 1926-04-09
lebt heute in den USA


Diese Geschichte wurde im Projekt "Botschafter" erstellt.

Lukas Ellmer, 2007 Schüler am Gymnasium St. Johann im Pongau in Salzburg, ist als Botschafter der Erinnerung in New York der Überlebenden Gerda Lederer  begegnet, die im Alter von 12 Jahren aus Wien vertrieben wurde.

"Von einem Tag auf den anderen ausgeschlossen ..."

Lukas Ellmer über seine Begegnung mit Gerda Lederer.


Gerda Heim (verh. Lederer) wurde am 09. April 1926 in Wien- Mariahilf geboren. Sie ist im 6. Bezirk von Wien aufgewachsen und musste 1938 mit ihrer Familie vor dem Nazi-Regime fliehen. Heute lebt sie in einem Vorort von New York und unterrichtet an der New School University in New York.

Mit ihren Eltern und ihrer zwei Jahre älteren Schwester wohnte sie in der Mariahilferstraße 55, wo sie auch zwei Geschäfte besaßen. Nach der Volksschule besuchte Gerda H. das Mädchengymnasium in der Rahlgasse.

Sie war lange Zeit sehr glücklich in Österreich und fühlte sich wohl in dem Umfeld, in dem sie lebte. Ihr Vater war ein ernster, aber wohltätiger und netter Mann und ihre Mutter war eine lustige, lebensbejahende Frau. Ihre Familie war voll in die damalige Gesellschaft integriert und ihr Vater hatte viele Freunde in der Umgebung.

Das änderte sich allerdings von einem Tag auf den anderen im März 1938. Plötzlich waren sie an vielen Orten nicht mehr willkommen, wurden beschimpft und ausgeschlossen. Ihre beste Freundin durfte sie nicht mehr besuchen, sie konnten nicht mehr in ihr Ferienhaus fahren und in der Schule wurden nationalsozialistische Lieder gesungen. Gerda begriff sehr schnell, dass das was da vor sich ging schrecklich und bedrohlich war und im April 1938 schreibt sie in ihr Tagebuch: Wenn ich nicht Jüdin wäre, würde ich vielleicht zu diesen anderen gehören. Deswegen bin ich froh, dass ich Opfer und nicht Angreifer bin.

Ihr Vater war damals derjenige, der die großen Beschlüsse in der Familie fasste und meinte anfangs, dass dieser Wahnsinn bald vorübergehen würde und es in Wien niemanden gäbe, der ihm schaden wolle. Er hatte im Ersten Weltkrieg gedient, ein Eisernes Kreuz verliehen bekommen und er war ein stolzer Österreicher. Außerdem war er dafür bekannt ein hilfsbereiter Mensch mit vielen Freunden zu sein.

Als Gerda Heims Cousin dann aber halb totgeschlagen vor ihrer Tür stand, weil er die Straße nicht putzen wollte und sich widersetzt hatte, musste ihr Vater einsehen, dass es in Wien für seine Familie nicht mehr sicher war. Er beschloss Österreich zu verlassen und seine Familie vorerst nach Paris zu bringen. Obwohl es damals für jüdische Familien noch möglich war auszureisen gingen sie auf Nummer sicher und verließen Wien in einer Nacht im September 1938, ohne dass ihre Nachbarn davon Bescheid wussten. Ohne Gepäck bis auf Kleidung fuhren sie vom Wiener Westbahnhof mit Durchreisevisa nach Paris. Sie waren alle froh, als sie die Grenze zum Deutschen Reich hinter sich gelassen hatten.

Gerda H. war zu dieser Zeit erst 12 Jahre alt und verbrachte fast jeden Tag mit ihrer kleinen Cousine. Sie wohnten in einem Emigrantenhotel, in dem auch viele Leute wohnten, die sich illegal in Paris aufhielten. Ihr Vater bemühte sich darum Einreisebewilligungen für verschiedene Länder zu bekommen. Mit einigen Schwierigkeiten mussten sie ihre Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich immer wieder verlängern, bis sie dann 1939 die Einreisebestätigung für die USA erhielten und am 14. Juli dieses Jahres die Schifffahrt nach New York antraten. Für Gerda H. war diese Reise ein richtiges Abenteuer und sie war überglücklich auf diesem Schiff.

Nach der Ankunft in den USA war es allerdings keineswegs leicht für die Familie Heim. Auch hier stießen sie nicht selten auf antisemitische Einstellungen. So wurde es ihnen zum Beispiel von einem Vermieter verweigert in seinem Haus zu wohnen, weil sie jüdisch waren. Auch die Arbeitfindung für den Vater war schwer, doch trotz einiger Hürden und Schwierigkeiten fand sich die Familie recht schnell in die dortige Gesellschaft ein und heute liebt Gerda Lederer (geb. Heim) das Leben in New York. Sie verspürt auch wieder eine starke Verbundenheit zu Wien und erinnert sich gerne an die Zeit vor dem Anschluss zurück.

Gerda Lederer hatte großes Glück, dass alle Mitglieder ihrer Kernfamilie dem Holocaust entkommen konnten, doch es sind viele Angehörige der Familie ihrer Mutter ermordet worden und auch einige Verwandte ihres Vaters kamen um.

Ihr selbst ist zwar nichts geschehen und sie musste auch durch kein KZ. Doch trotzdem ist sie ein Opfer der Nazis und sie musste viel aufgeben, weil sich Österreich an diesen Verbrechen beteiligte.

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